Es ist (noch) kein Liedtitel, sondern irgendwie die Quintessenz unserer Lebenswirklichkeit. Das ist besonders schön erkennbar, wenn man sich in der aktuellen Fotografieszene umschaut.

Der Sofortbildfilm Instax boomt, wird zur Cashcow des gesamten Unternehmens Fuji und zeigt die Symptome der Zeit. Fotos sofort auf einem Display ansehen reicht nicht mehr, ein Abzug muss her, sofort zu sehen, in den Händen, materialisiert, spürbar. Auf wenigen Quadratzentimetern abgebildet, was bis vor Kurzem noch bei Facebook oder Instagram ausschließlich digital verteilt wurde, Qualität ausreichend, offline verfügbar.

Meine Ausflüge in die Welt des Analogen führen zu völlig neuen, alten Erfahrungen.

Das Filmeinlegen dauert länger, als eine Speicherkarte in die Kamera zu schieben. Man muss überlegen, wie er belichtet werden soll und entsprechende Einstellungen tätigen, Motiv sehen, neu bewerten, vor dem Auslösen auf spätere Zeigbarkeit hin prüfen – alles zeitintensive Aspekte, die früher schon einmal eine Rolle gespielt haben, unbewusst, nicht weiter analysiert.

Jetzt ist er wieder da, der Zeitpunkt des Aufnehmens des letzten Bildes auf dem Filmstreifen, das Abgeben und Warten auf das Labor, die Neugier auf den Inhalt des Films, das Betrachten von Negativen.

Warten war schon früher notwendig, wurde aber als normal verstanden und gar nicht weiter hinterfragt oder überhaupt thematisiert. Heute fällt es immer schwerer, auf etwas zu warten, wie den Moment, wenn man das Bild zum ersten Mal auf einem Display sieht, ein Clip auf Youtube startet, das Selbstentwickeln des Instax-Bildes, die Lieferung von Onlineshop oder Fastfood-Lieferservice, den richtigen Moment einer Beförderung oder auch nur den Kaffee in der überteuerten Kaffeehauskette.

Instant sind nicht nur Fotos, Kaffee oder Suppen, überwürzt und fade zugleich. Instant sind die Meldungen der Onlinemedien, Nachrichten im Social Media, oft genauso überwürzt und dennoch geschmacklos.

Warten verlangt nach Zeit, die auch zum Reifen erforderlich ist. Warum gestehen wir uns keinen Reifeprozess mehr zu? Jugendwahn?

Warten fängt an, weh zu tun, wie ein Muskel, den man nie benutzt hat und auf einmal intensiv verwenden musste, seelischer Muskelkater.

Warten als Prinzip dagegen ist schon wieder en vogue, als Meditation, einem Guru folgend. Und so wächst auch die Zahl derer, die wieder auf Fotos warten wollen – und können. Es gibt wieder Menschen, die nicht nur den Vorgang des Fotografierens entschleunigen, auf die Überraschungen warten wollen und auch können, die der Film wie auch das Leben bereithalten und Negative letztlich als Positiv betrachten.

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